Xylocopa violacea – gemeinsam durchs Jahr

Mit einer Körperlänge von bis zu 25 mm ist die Blauschwarze Holzbiene (Xylocopa violacea) bedeutend größer als andere Wildbienenarten, von denen die kleinsten gerade einmal 4 mm erreichen.

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Sowohl durch ihre Größe als auch durch die blauschimmernde Körperfarbe wirkt sie wie ein Insekt der Tropen und tatsächlich gehört die Große Holzbiene, wie sie auch genannt wird, zu den wärmeliebenden Arten Südeuropas, die sich im Zuge der Klimaerwärmung in den letzten Jahren immer weiter nach Norden ausbreiten. Auch im warmen Elbtal ist sie seit ein paar Jahren immer häufiger zu beobachten. Neben ihrem für heimische Bienen untypischem Äußeren zeigt sie noch eine weitere Besonderheit und zwar in ihrem Lebenszyklus. Während andere heimische Bienenarten entweder erst im Frühling schlüpfen, um sich dann zu paaren oder nur die im Sommer geschlüpften und im Spätsommer verpaarten Bienenweibchen überwintern, um im Frühling mit dem Nestbau zu beginnen, schlüpfen bei Xylocopa violacea beide Geschlechter bereits im Sommer, überwintern dann beide und paaren sich erst im Frühjahr. Das Weibchen nistet dann in mürbem Totholz, in dass es selbst große Gänge nagt, in denen es seine Brutzellen anlegt.




Osmia aurulenta – der Nachmieter

Anders als unsere letzte Biene des Monats ist die Rote Schneckenhaus-Mauerbiene (Osmia aurulenta) bei der Wahl Ihrer Pollenquellen wenig wählerisch. Umso mehr ist sie es aber bei ihrer Nisthöhle. Wie alle Mauerbienen nistet sie in oberirdischen Hohlräumen, und wie immerhin noch 6 andere mitteleuropäische Osmia-Arten nutzt sie hierfür ausschließlich leere Schneckenhäuser.

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Osmia aurulenta wohnt gern herrschaftlich und besiedelt daher am liebsten Schneckenhäuser mittelgroßer und großer Schneckenarten, vor allem die der Weinbergschnecke. Die Brutzellenwände und den Nestverschluss baut sie aus zerkauten Pflanzenteilen. Mit diesem Pflanzenmörtel bringt sie zudem Tarnflecken auf der Außenseite des Scheckenhauses an.

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Die Männchen der Roten Schneckenhaus-Mauerbiene übernachten gern gemeinsam in Gruppen. Und wo? Natürlich in leeren Schneckenhäusern.




Eucera nigrescens – das letzte Langhorn

Mit seinen überlangen Fühlern ähnelt das Männchen der Frühen Langhornbiene (Eucera nigrescens) einem Fabeltier – und ist vielleicht bald schon ebenso selten. Laut der Roten Liste der Wildbienen Sachsens wird Eucera nigrescens als „vom Aussterben bedroht“ eingestuft.

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Die Weibchen dieser schönen Bienenspezies, sowie ihrer Schwesterart, der „Juni-Langhornbiene“ (Eucera longicornis) sammeln den Pollen für die Versorgung ihres Nachwuchses ausschließlich auf Schmetterlingsblütlern, wie Wicken, Platterbsen und Luzerne. Wo diese Pflanzen fehlen, können sich die Frühe und die Mai-Langhornbiene nicht mehr fortpflanzen und sterben unweigerlich aus.

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In und um Dresden kann man ihnen mit etwas Glück noch auf den nährstoffreichen Fettwiesen entlang der Elbe begegnen, wo jetzt im Mai die Zaunwicke blüht.

nomada-sexfasciata_bdm_14Dort findet sich auch ihr Kuckuck, die große Wespenbiene Nomada sexfasciataNOCH, denn deren Fortbestehen wiederum ist direkt abhängig vom Vorkommen ihrer beiden Wirtsarten Eucera nigrenscens und Eucera longicornis.

Die Männchen der Frühen Langhornbiene erscheinen deutlich eher im Jahr als die Weibchen, und noch bevor Wicke & Co. zu blühen beginnen. Ihren Hunger stillen sie dann gern am Nektar violett blühender Rauhblattgewächse, wie Lungenkraut und Beinwell.




Osmia bicornis – der Tausendsassa

Die Honigbiene ist unser wichtigster Bestäuber? Nicht unbedingt. Die Rostrote Mauerbiene (Osmia bicornis, Syn. Osmia rufa) bestäubt z. B. Obstbäume sogar effektiver als die Honigbiene, weshalb sie mittlerweile sogar im gewerblichen Obstanbau als Bestäuber eingesetzt wird. Wichtig ist hierfür nur eine ausreichende große Population der solitär leben Bienen.

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Sowohl im Hinblick auf ihre bevorzugte Nahrung, als auch auf ihren Nistort ist Osmia bicornis ein ausgesprochener Generalist und daher in ihrer Hauptflugzeit im Frühling noch entsprechend häufig zu finden. Anders als andere Bienen, die oft auf spezielle Pflanzenfamilien oder sogar nur einzelne Pflanzen spezialisiert sind, besucht die Rote Mauerbiene eine Vielzahl verschiedener Blüten, unter anderem auch blühende Waldbäume, wie Eiche und Hainbuche, die von anderen Bienen nicht beflogen werden.

In der Wahl ihrer Nisthöhlen ist sie ebenso wenig wählerisch. So besiedelt sie sowohl Käferfraßgänge in Totholz, wie auch allerlei Löcher und Ritzen in Mauerwerk u. ä. Die Nester bestehen aus mehreren hintereinander oder fächerförmig nebeneinander liegenden Brutzellen, die das Weibchen aus lehmiger Erde baut. Die auffälligen Hörnchen am Kopfschild dienen ihm dabei wahrscheinlich als Transport- und Bauwerkzeuge.

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Ebenso bereitwillig werden von Osmia bicornis auch künstliche Nisthilfen (z. B. “Insektenhotels”) besiedelt. Dies macht man sich seit einigen Jahren im Obstertragsanbau zunutze, indem man sie ihre Brutnester in bereitgestellte Pappröhrchen bauen läßt, die sich dann leicht verschicken lassen.




Colletes cunicularius – Ende des Winterschlafes

Unsere erste diesjährige Biene des Monats ist ein guten Beispiel dafür, dass sich Wildbienenschutz zwar oft nicht verallgemeinern läßt, Schutzmaßnahmen für eine bestimmte Bienenspezies aber häufig auch anderen Insektenarten zugute kommen.

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Obwohl die Frühlings-Seidenbiene (Colletes cunicularius) nicht zu den häufigen Bienenarten zählt, finden wir sie z. B. im Dresdner Norden relativ oft, denn sie besiedelt vegetationsfreien Sandboden und benötigt daher offene Sandflächen, Binnendünen und ähnliche Strukturen, wie sie z. B. auf den Hellerbergen und in der Dresdner Heide heute noch zu finden sind. Als einer der strengen Pollenspezialisten unter den Wildbienen ist sie außerdem auf das Vorhandensein von Weidenbeständen angewiesen, denn sie ernährt ihren Nachwuchs ausschließlich mit einem Gemisch aus Pollen und Nektar verschiedener Weidenarten. Wo sich aber noch offene Sandflächen mit nahe gelegenen Weidenbeständen finden, kann die solitär nistende Frühlings-Seidenbiene in beachtlichen Kolonien vorkommen.

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Leider finden sich die hierfür nötigen Bedingungen aber immer seltener, weshalb Colletes cunicularius laut Roter Liste in Sachsen als gefährdet gilt. Notwendig zu ihrem Schutz wäre die Bewahrung offener Sandflächen – auch kleinen Ausmaßes – sowie der Erhalt von Weidenbeständen und die fachgerechte Pflege von Kopfweiden, was wiederum einer großen Anzahl der Frühlingsarten unter den blütenbesuchenden Insekten zugute käme und nicht zuletzt der von uns so geschätzten Honigbiene.

Weitere Informationen zu Colletes cunicularius findet Ihr hier auf der Seite von Insekten-Sachsen.de.




Lasioglossum xanthopus – die Herbstbiene

Das Bienenjahr neigt sich dem Ende entgegen und auf den wenigen jetzt noch blühenden Pflanzen sind kaum mehr Bienen zu finden. Ausnahme bilden hier die Furchenbienen der Gattungen Lasioglossum und Halictus. Denn während die meisten Bienen als noch halbfertige Ruhelarven in ihren Brutzellen überwintern, schlüpfen Männchen und Weibchen der Furchenbienen bereits im Sommer. Nach der Paarung, spätestens im Herbst, sterben die Männchen; die begatteten jungen Weibchen aber überwintern unterirdisch, um dann im kommenden Frühjahr in der Erde ein Nest für die nächste Bienengeneration zu graben.

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Eine unserer spätesten Arten im Jahr ist die Gelbbein-Furchenbiene (Lasioglossum xanthopus), bei der die jungen Drohnen und Weibchen sogar erst im September schlüpfen, so dass man die Männchen dieser Art allein im Herbst antreffen kann. Man findet sie vor allem auf blütenreichen Magerrasen und Wiesen, von denen es leider immer weniger gibt.

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Mit dieser letzten Biene des Jahres geht auch unsere “Biene des Monats” in die Winterruhe. Für Bienenfreunde ist das Jahr aber noch nicht zu Ende. Denn jetzt beginnt die Zeit, in der am besten die sterilen, dauergrünen Rasen-Wüsten unserer Gärten in blühende, summende Wiesen umgewandelt werden können. Und vielleicht fliegt dann dort schon im nächsten Herbst die hübsche Gelbbein-Furchenbiene.




Colletes daviesanus – auf Seide gebettet

Überall dort, wo Böschungen und Wegränder selten gemäht werden, blüht jetzt im August der Rainfarn (Tanacetum vulgare) und gibt dem Spätsommer seine Farbe. Auf den goldgelben Blüten des Rainfarns findet man noch recht häufig die Gemeine Seidenbiene, Colletes daviesanus, die für den Rainfarn eine besondere Vorliebe hat. Man kennt sie daher auch unter dem Namen “Rainfarn-Seidenbiene”.

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Seidenbienen tragen ihren Gattungsnamen aufgrund des seidenartigen Materials, mit dem sie ihre Brutzellen auskleiden. Anders als andere Seidenbienen gräbt Colletes daviesanus ihre Brutnester nicht in ebenem oder leicht geneigtem Boden, sondern ausschließlich in senkrechten Steilwänden und Abbruchkanten. Durch das Aufstellen von Holzkästen mit lockerem Sand-Lehm-Gemisch läßt sie sich daher sogar im eigenen Garten oder auf dem Fensterbrett ansiedeln.

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Um unserer typischsten Hochsommerbiene zu helfen, ist es aber noch wichtiger, natürliche Habitate, wie Abbruchkanten an Wegrändern, zu bewahren – ebenso wie die Bestände des Rainfarns und anderer wilder Korbblütler.

epeolus-variegatus_bdm_10Und mit etwas Glück findet man dann dort sogar die schöne Filzbiene Epeolus variegatus, den Kuckuck der Gemeinen Seidenbiene. Sie nutzt die Blüten des Rainfarns gern als Schlafplatz.




Macropis europaea – die Spezialistin

Dem Großteil aller Bienenarten dient ein Gemisch aus Nektar und eiweißreichem Blütenpollen als Nahrung für ihren Nachwuchs. Anders ist es bei den sogenannten Ölbienen. Diese nutzen für die Larvennahrung neben Pollen fettes Blütenöl von bestimmten “Ölblumen”, bei uns den Gilbweidericharten.

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In Deutschland sind zwei Ölbienenarten heimisch, Macropis fulvipes und Macropis europaea, die Waldund die Sumpf-Schenkelbiene. Den Gattungsnamen “Schenkelbienen” tragen sie aufgrund der auffällig verdickten Hinterschenkel und -schienen des Männchens, das durch seine gelbe Gesichtszeichnung leicht vom Weibchen zu unterscheiden ist. Während Macropis fulvipes Blütenöl von drei verschiedenen Gilbweidericharten sammelt, ist das Weibchen der Sumpf-Schenkelbiene sowohl für Pollen als auch für Blütenöl ausschließlich auf den Gemeinen Gilbweiderich (Lysimachia vulgaris) spezialisiert, einer ausdauernden Staude, die in Deutschland wild an Gewässerrändern und auf Feuchtwiesen wächst. Zur Aufnahme des Blütenöls dienen ihr spezielle Saugpolster an den Innenseiten der Vorder- und Mittelbeintarsen, der Transport zum Nest geschieht mittels der dichten, puschigen Behaarung der Hinterbeine.

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Ihre Nester legt Macropis europaea in der Nähe von Gilbweiderichbeständen an, wenige Zentimeter tief, unter Gras oder Moos, oft auch im Uferbereich und (anderes als die meisten anderen Bienen) an feuchten oder schattigen Stellen. Zur Imprägnierung der Brutzellenwände gegen eindringende Feuchtigkeit dient ihr wiederum das Öl des Gilbweiderichs.

Um der Schenkelbiene zu helfen, sollten Bestände von Gilbweiderich beim Mähen geschont werden. Er dankt es mit vielen hübschen gelben Blüten. Weitere Infos zur Sumpf- und Wald-Schenkelbiene findet Ihr auf Insekten-Sachsen.de. Bei Sichtungen freuen wir uns dort über Meldungen mit Foto.




Andrena symphyti – die Verschollene

Viele unserer heimischen Wildbienenarten sind durch den Verlust ihrer Nahrungspflanzen und Bruthabitate vom Aussterben bedroht oder bereits ausgestorben bzw. verschollen. Zu letzteren zählen auch die Beinwell-Sandbiene (Andrena symphyti) und ihre Kuckucksbiene, die Wespenbiene Nomada symphyti. Andrena symphyti ist auf die Blüten des Knoten-Beinwells (Symphytum tuberosum) spezialisiert, einer Pflanze welcher nur noch in kleinen Beständen in Sachsen zu finden ist. Sie wächst im Halbschatten nährstoffreicher Laub- und Mischwälder.

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Wir möchten mithelfen, die seltene Beinwell-Sandbiene wiederzufinden und bitten Euch daher, uns Standorte des Knoten-Beinwells zu melden. Wikipedia liefert eine gute Beschreibung dieser gelb blühenden Beinwell-Art.




Melecta albifrons – der Faulpelz

In der aktuellen “Wildbiene des Monats” möchten wir Euch eine (mit 24% der Bienenarten gar nicht so kleine) Gruppe von Wildbienen vorstellen, die sich in ihrem Brutverhalten völlig von den “normalen” Wildbienenarten unterscheiden, den sogenannten Kuckucksbienen. Der Name ist Programm, denn während sich die meisten Wildbienenweibchen bei der Brutpflege als echte fleißige Bienchen erweisen, setzen sich die Arten der 11 heimischen Kuckucksbienen-Gattungen sprichwörtlich ins gemachte Nest. Sie legen selbst keine eigenen Brutnester an, sondern dringen in die Nester ihrer jeweiligen Wirtsbienen ein, zerstören die darin befindliche Brut und legen ein eigenes Ei auf den Larvenproviant ihres unfreiwilligen Wirtes, woraufhin sie die Brutzelle wieder verschließen.

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Oftmals ähneln sich dabei Wirt und Kuckuck. Nicht so bei der Gemeinen Trauerbiene (Melecta albifrons), dem Brutparasiten der Frühlings-Pelzbiene Anthophora plumipes, die gern in lehmverfugten Mauern nistet und im Frühjahr häufig zu beobachten ist.

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Oft kann man an Nistorten der Frühlings-Pelzbiene auch Trauerbienen beiden Geschlechts beobachten; die Weibchen auf der Suche nach fertigen Brutzellen ihres Wirtes und die sehr ähnlichen Männchen auf der Suche nach paarungswilligen Weibchen. Mit ihrer Größe und dem schönen schwarz-weißen Pelz stellen sie dabei für jeden Bienenfreund eine Bereicherung dar.