Keine Angst vor “Erdbienen”

Wildbienen, also solitär nistende Bienenarten, die keine Völker bilden, gehören neben den Honigbienen zu unseren wichtigsten Bestäubern. Leider machen Pestizide und der Verlust von Lebensräumen und Nahrungsquellen auch ihnen das Leben immer schwerer, so dass laut Roter Liste allein in Sachsen bereits ca. 70 % der über 400 heimischen Wildbienenarten in ihrem Bestand bedroht oder bereits ausgestorben sind. Aus diesem Grund sind alle Wildbienenarten vom Gesetzgeber unter besonderen Artenschutz gestellt. Sie dürfen weder gefangen, noch beim Nisten gestört oder gar getötet werden. Auch die Bienennester selbst stehen unter diesem besonderen Schutz und dürfen nicht zerstört werden.

Etwa 3/4 aller nestbauenden Wildbienenarten nisten in der Erde – meist in vegetationsfreien oder spärlich bewachsenen Bodenstellen. Da die Weibchen einzeln nisten, bleibt das bei den meisten Arten vollkommen unbemerkt. Es gibt aber einige Bienenarten, die zwar solitär, aber in kleinen oder größeren Kolonien nisten. Zu diesen gehören verschiedene Sandbienenarten, die Frühlings-Seidenbiene und die niedliche Kleine Zottelbiene. Auch solche Gruppen von Nestern blieben normalerweise unbemerkt, da die Bienenweibchen sehr flink und vereinzelt ihrem Brutgeschäft nachgehen – wären da nicht die paarungswilligen Männchen, die im Frühling oft in großer Zahl um die Nester der Weibchen patrouillieren. Hier beruhigt es zu wissen, dass Bienenmännchen keinen Giftstachel besitzen, von diesen über den Boden schwirrenden Bienen also keinerlei Gefahr ausgeht. Die stacheltragenden Weibchen sind dagegen kaum wahrzunehmen, da sie von ihrem Sammelflug heimkehrend möglichst schnell in ihren Nestern verschwinden. Man erkennt sie an den dicken Pollen-Paketen an ihren Hinterbeinen.

Angst vor Angriffen braucht man aber auch bei den Weibchen nicht zu haben, da sie niemals direkt Menschen angreifen. Zu Stichen kommt es ausschließlich, wenn so ein Wildbienenweibchen gequetscht wird. Da deren Stachel aber meist sehr dünn und nicht, wie bei der Honigbiene, mit einem Widerhaken versehen ist, bleibt es selbst bei solchen seltenen Stichen bei einem leichten Piks. Auch die abgegebene Giftmenge ist viel geringer und in ihrer Zusammensetzung weniger aggressiv als bei Honigbienen, so dass es keinen Grund gibt, Wildbienen zu fürchten. Im Gegenteil sind solche Wildbienenkolonien spannend zu beobachten. Man sollte nur darauf achten, die Nesteingänge nicht zu verschütten. Nach 2 bis 3 Wochen ist der Spuk dann auch schon wieder vorbei – bis zum nächsten Jahr zur gleichen Zeit, wenn die Bienen der neuen Generation schlüpfen.




Der Warré-Hummelkasten – ein Heim für die wilden Schwestern

Wie im vergangenen Herbst versprochen, dreht sich bei unserer “Wildbiene des Monats” dieses Jahr alles um die Hummeln. Beginnen möchte ich mit einem kleinen Bauprojekt für alle, denen der Winter ebenfalls langsam zu lang wird.

Irgendwann in den letzten Jahren habe ich begonnen, alle meine Warrébeuten auf Fensterzargen umzustellen. Stellte sich die Frage: Wohin mit den alten Zargen? Stapeln, als Schuppenregal? Blumenkästen für die Terasse? Regenwurm-Turm? Letztere Idee habe ich tatsächlich ausprobiert – hat aber nicht besonders gut funktioniert. Da ich aber als “Hummelbeauftragte” auch hin und wieder Hummelvölker umsiedle, kam mir die Idee, die gebrauchten, fensterlosen Warrézargen zu Hummelkästen umzubauen. Gesagt, getan.

Das Prinzip eines Hummelkastens in eigentlich ganz einfach. Es braucht einen trockenen Raum und davor einen kurzen Gang, der vom Eingang her leicht schräg nach unten führt. Dieser simuliert den natürlichen Eingang zu einem unterirdischen Mäusenest, denn 9 von 10 Hummelköniginnen nutzen alte Mäusenester für die Gründung ihres Hummelstaates.

Um Platz für diesen Gang zu machen, habe ich das Zargeninnere mittels eines herausnehmbaren Brettes geteilt. Im vorderen Raum befindet sich der „Mäusegang“ in Form eines flexiblen, schwarzen Aquarienschlauches (Durchmesser 25 mm), den hinteren, zweiten Raum nimmt das Hummelnest ein. Dort hinein kommt Nestmaterial in Form von Kapok oder Tierwolle von Schaf, Alpaka oder Hund. Kapok deshalb, weil die weichen Kapokfasern mit einer Wachsschicht umhüllt sind, die sie wasserabweisend macht. Die oft empfohlene Polsterwolle eignet sich nicht, weil darin meist Kunstfasern enthalten sind, die den Hummeln die Flügel verfitzen. Um Hummelköniginnen anzulocken, kann man noch Reste alter Mäusenester hineingeben. Der Geruch wirkt auf die suchenden Hummelköniginnen unwiderstehlich.

Unten habe ich die Zarge noch mit einem Brett mit den Außenmaßen der Zarge verschlossen. Den Deckel bildet ein weiteres solches Brett. Den Abschluss bildet im günstigsten Fall ein Warré-Hüttendach (wegen der guten Isolierwirkung). Ein einfaches Stülpdach tut es aber auch, dann muss der Hummelkasten aber schön im Schatten stehen. Den Eingang des neuen Hummelhauses nach Südosten ausrichten – fertig.

Nun ging es mir darum herauszufinden, ob dieses Hummelhaus auch freiwillig von Hummelköniginnen bezogen wird – zu meiner Freude hat es tatsächlich gleich im ersten Jahr funktioniert. Erstbesiedler des Hummelhaus-Prototypes war eine Volk von Steinhummeln. Ich hatte den Hummelkasten im April aufgestellt. Anfang Mai wurde ich bereits ungeduldig und plante einen Umbau – nur um beim Auseinandernehmen auf eine fleißig brütende (und laut schimpfende) Steinhummelkönigin zu treffen. Es war schön zu beobachten, wie sich das Hummelvolk im Laufe des Sommers entwickelte. Durch vorsichtiges Öffnen des Deckels, konnte man sogar kurze Einblicke ins Innere gewinnen.

Daher mein Tipp für alle Hummelfreunde unter den Imkern: Schaut doch mal nach ausgedienten Zargen und überlegt, ob ihr im Garten nicht noch ein Plätzchen für ein Hummelvolk hättet. Das Ganze funktioniert natürlich auch mit jeder anderen Beutenform.

Nachtrag: Ein Imkerfreund fragte an, warum das Brett, dass den inneren Raum teilt, herausnehmbar ist, und ob man nicht der Einfachheit halber ein Brett einfach fest verschrauben könnte. Ich habe mich für das herausnehmbare Brett entschieden, um den Raum gegebenenfalls einfach erweitern zu können, z. B. wenn eine Hummelart einzieht, die sehr indivuenreiche  Staaten bildet und entsprechend mehr Platz braucht. Den “Mäusegang” braucht es ja eigentlich nur am Anfang, um die Königin anzulocken. Auch die Herbstreinigung wird durch das flexible Brett erleichtert. Prinzipiell spricht aber tatsächlich nichts dagegen, das Brett einfach festzuschrauben, insbesondere, wenn man den Hummelkasten aus größeren Zargen als denen der Warrébeute baut.




Coelioxys inermis – Doppelt hält besser

Es ist Herbst geworden und auf den verbliebenen Blüten finden sich nur noch wenige Bienen. Die meisten Bienenarten haben ihr Brutgeschäft beendet und sind gestorben; die neuen Bienen warten in ihren Brutzellen auf den nächsten Frühling. Bienen, die jetzt noch zu finden sind, gehören entweder zur Gruppe derer, die bereits im selben Jahr schlüpfen und als erwachsene Tiere überwintern oder zu der kleinen Gruppe von Bienen, die in warmen, blütenreichen Sommern noch eine zweite Generation hervorbringen.

Zu diesen gehört die Rosen-Blattschneiderbiene (Megachile centuncularis) ebenso wie ihr Kuckuck, die Unbewehrte Kegelbiene (Coelioxys inermis). Während deren erste Generationen von Mai bis August zu finden sind, fliegen die Bienen der zweiten Generation noch bis Anfang Oktober.

Wie alle Kuckucksbienen nutzen auch Kegelbienen fremde Brutnester für die Aufzucht des eigenen Nachwuchses. Die Larve ernährt sich vom Pollenvorrat des Wirts. Das Weibchen spart sich so den aufwändigen Nestbau und das Heranschaffen des Larvenproviants. Um seine Eier abzulegen, durchbohrt das Kegelbienenweibchen die Wirtszelle mit ihrem Hinterleib, der zu diesem Zweck meist auffällig kegelförmig zugespitzt ist, was den Kegelbienen ihren deutschen Gattungsnamen gab. Ein weiteres typisches Merkmal von Kegelbienen ist ihre schwarz-weiße Zeichnung. Kegelbienenmännchen ähneln darin den Weibchen, ihr Hinterleib ist aber eher rundlich und trägt am Ende meist eine Anzahl von Dornen und Spitzen, anhand derer sich die Arten unterscheiden lassen.

Der Name Coelioxys inermis (Unbewehrte Kegelbiene) beruht übrigens auf einer Fehleinschätzung des ersten Entomologen, der die Art 1802 beschrieben hat. Man vermutet, dass er ein missgebildetes Tier vorliegen hatte, bei dem die gattungstypischen dornigen Fortsätze des Thoraxes fehlten. Auch Wissenschaftler können sich irren. Ein weiteres typisches Merkmal von Kegelbienen sind die behaarten Komplexaugen, wie man sie auch von den Honigbienen kennt.

Damit geht unsere Biene des Monats in die Winterruhe. Das Jahr 2018 bringt eine Besonderheit, denn die Biene des Monats wird dann ganz im Zeichen der Hummel stehen.

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Heriades truncorum – Bauchpinseln für den Nachwuchs

Neben der Art, wie Nester angelegt werden, unterscheiden sich die verschiedenen Bienengattungen noch in einem anderen wichtigen Aspekt: der Art, wie der Pollenproviant für die Brut gesammelt und zum Nest transportiert wird. Zu diesem Zweck haben alle Bienenweibchen bestimmte Pollensammelapparate. Während die sozialen Honigbienen und Hummeln den Pollen auf einer von Borstenhaaren umgebenen glatten Fläche auf den Hinterbeinen transportieren (dem sogenannten „Körbchen“), behelfen sich Wildbienen zumeist mit langen und dichten Haarbürsten, an denen das Pollenpaket haftet. Bei den unterirdisch nistenden Arten befinden sich diese ebenfalls an den Hinterbeinen sowie teilweise zusätzlich an den Thoraxseiten. Oberirdisch nistende Arten tragen dagegen meist eine dichte Bauchbürste, mit der sie den Pollen sowohl sammeln als auch transportieren können.

Besonders gut läßt sich dies bei einer kleinen Biene beobachten, die gern in Insektenhotels nistet, der Gewöhnlichen Löcherbiene (Heriades truncorum). Löcherbienenweibchen sind zum Pollensammeln auf Korblütengewächse, wie z. B. Alant, Margerite oder Färberkamille spezialisiert. Dort sammeln sie den Blütenstaub mit aufälligen wippenden Bewegungen des Hinterleibs direkt in die Bauchbürste. Es lohnt sich, im Sommer auf Körblütlern nach nektartrinkenden oder solcherart geschäftigen Löcherbienen zu suchen, denn sie gehören zu den häufigeren Bienenarten.

Für eine Ansiedlung im eigenen Garten oder auf dem Balkon empfehlen sich angebohrte Hartholzstücke mit Lochdurchmessern zwischen 3 und 4  mm. Über einen erfolreichen Einzug geben die Nestverschlüsse Auskunft. Diese bestehen bei Löcherbienen aus Harz, das mit kleinen Steinchen und Holzfasern durchmischt ist.

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Melitta nigricans – Nah am Wasser gebaut

In unserer “Biene des Monats August” soll es einmal wieder um einen absoluten Spezialisten unter den Wildbienen gehen, die Blutweiderich-Sägehornbiene (Melitta nigricans).

Wie alle Sägehornbienen ist sie zum Pollensammeln auf eine bestimmte Pflanzengattung spezialisiert, und in ihrem Fall sogar nur auf eine einzige Pflanze: den Gewöhnlichen Blutweiderich (Lythrum salicaria). Diese schöne Staude mit ihren magentafarbenen Blüten wächst wild an feuchten Stellen und Flußufern, so auch an den Dresdner Elbufern. Dort kann man bei schönem Wetter sowohl die liebeshungrigen Männchen der Blutweiderich-Sägehornbiene beobachten, als auch die pollensammelnden Weibchen. Wem es bis zur Elbe zu weit ist, holt sich die Pflanze einfach in seinen Garten, wo sie das Ufer von Gartenteichen und feuchtere Bereiche der Blumenbeete ziert und mit ihrem reichlichen Nektarangebot neben Melitta nigricans auch viele andere Insekten satt macht, darunter auch unsere Honigbienen.

Der Gattungsname Sägehornbienen bezieht sich auf die oft stark ausgeformten Fühlergliedern der Männchen. Neben der Blutweiderich-Sägehornbiene sind bei uns noch die Glockenblumen-Sägehornbiene (Melitta haemorrhoidalis), die Luzerne-Sägehornbiene (Melitta leporina) und die Zahntrost-Sägehornbiene (Melitta tricincta) heimisch – allesamt Spätsommerbienen. Ihr deutscher Name verrät ihre jeweilige Spezialisierung. Und obwohl sich alle Sägehornbienen-Arten recht ähnlich sehen, lassen sie sich bereits an der jeweiligen Pollenquelle sicher bestimmten.

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Megachile willughbiella – Basteln mit Rosen

Die wichtigste Gemeinsamkeit aller Bienenarten ist das Sammeln von Pollen für die Ernährung der Larven sowie das Anlegen von Nestern mit mehreren Brutzellen, in denen sich jeweils ein Häufchen Pollenproviant und ein Ei befinden. Die größten Unterschiede zwischen den einzelnen Bienengattungen bestehen dagegen in der Art und Weise, wie diese Nester angelegt werden.

Die außergewöhnlichsten Brutnester bauen vermutlich die Arten aus der Gattung der Blattschneiderbienen (Megachile). Wie ihr deutscher Gattungsname schon andeutet, schneidet das Weibchen mit seinen Mandibeln runde Ausschnitte aus Laub- oder Blütenblättern. Diese faltet es in der Mitte zusammen, klemmt sie längs zwischen seine Beine und trägt sie so zum Nest. Dieses wird meist in einem horizontalem Loch oder einer Spalte in Totholz, zwischen Steinen oder unter Wurzelballen angelegt. Das eigentliche Nest besteht aus mehreren solcher Kreisstücke, die zu einem zigarrenförmigen Gebilde verbaut werden, in dem sich die einzelnen Brutzellen befinden. Auch den Nestverschluss bildet eine Blattscheibe, so dass man Nester von Blattschneiderbienen bereits leicht von außen erkennen kann.

Eine unserer häufigsten Blattschneiderbienenarten ist die Garten-Blattschneiderbiene (Megachile willughbiella). Wie die meisten oberirdisch nistenden Bienen, sammelt und transportiert das Weibchen den Pollen nicht an den Beinen, wie die Honigbienen, sondern am Bauch, wozu es (wie eine Reihe ähnlicher Arten) mit einer rot-schwarzen Bauchbürste ausgestattet ist. Das Männchen gehört zu einer kleinen Gruppe von Blattschndeiderbienen, bei denen die oberen Fußglieder der Vorderbeine weißlich gefärbt und stark verbreitert sind. Das Männchen der Garten-Blattschneiderbiene trägt daran noch einen breiten Fransenkamm, so dass seine „Unterarme“ wie große, helle, mit Fransen besetzte Stulpenhandschuhe wirken. Zusammen mit den für Blattschneiderbienen typischen schaufelartigen Mandibeln gibt ihm das ein abenteuerliches Aussehen.

Als Baumaterial bevorzugen die Weibchen besonders die Laubblätter von Rosen und Blauregen. Wo sich dort solche auffälligen runden Löcher am Blattrand zeigen, muß man sich als Gartenbesitzer also nicht wegen eventueller Pflanzenschädlinge sorgen. Im Gegenteil ist dies ein Grund zur Freude, da man sich gewiss sein kann, eine der interessantesten Bienenarten in seinem Garten zu beherbergen.

Zum Nektartrinken werden von beiden Geschlechtern gern Schmetterlingsblütler, wie Hauhechel, Hornklee und Ginster besucht. Dort kann man dann auch oft die Männchen beobachten, wie sie auf der Suche nach paarungswilligen Weibchen um die Pflanzen patrouillieren.

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Panurgus calcaratus – Rasen ist kein Kavaliersdelikt

In unserer aktuellen Biene des Monats soll es um ein ernstes Thema gehen: um die in Deutschlands Parks und Gärten so weit verbreitete Angst vorm Blümchen („Anthophobie“). Das nachstehende Foto entstand in einem namhaften deutschen Park und zeigt, wie ein ohnehin nur 4 cm (!)  kurzer Rasen mit viel Krawall und mittels Mähtraktor mit sogenanntem „Aufbereiter“ getrimmt wird.

Das folgende Foto entstand auf der gleichen Fläche, 10 Minuten vorher. In den Blüten des auf der Wiese wachsenden Ferkelkrauts tummelten sich hunderte Individuen einer Bienenart, die den putzigen Namen Kleine Zottelbiene trägt. Da es ein trüber Tag war, war den Bienen nicht nach Fliegen zumute. Schlecht für sie, denn Rasenmäher mit Aufbereiter schneiden einen Rasen nicht nur, sondern zerhäckseln das Mähgut außerdem noch in kleinste Stücke, einschließlich aller Insekten, die sich zum Zeitpunkt des Mähens auf den Pflanzen befinden.

Aber auch diejenigen Bienchen, die dieses Massaker überlebten, hatten nichts zu lachen. Durch den übertriebenen Mähwahn wurde ihnen mit einem Schlag sämtliche Nahrung entzogen, denn die Kleine Zottelbiene (Panurgus calcaratus) ist zum Nektar- und Pollensammeln auf gelbe Korbblütler, wie eben das Ferkelkraut spezialisiert. Fehlen diese, kann sich die Bienenart nicht fortpflanzen.

Ein Grund von vielen, das längst überholte Schönheitsideal des Englischen Rasens zu überdenken und sich auf wenig begangenen Flächen in Parks und Gärten für bunte Blumenwiesen zu entscheiden sowie im Falle einer Mahd immer einige blühende Flächen stehenzulassen. Vorbildlich zeigt sich hier die Wohnungsgenossenschaft Johannstadt, wie dieses Foto zeigt.

Hier wurden beim Mähen bewußt Teilflächen ausgespart, um die Insekten nicht vollständig ihrer Nahrung zu berauben. Dresdens Bienen und Schmetterlinge und natürlich auch wir Imker sagen Danke!

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Osmia caerulescens – Bauen mit nachwachsenden Rohstoffen

Die Frühlingsmonate von März bis Mai waren die Zeit der Rostroten und der Gehörnten Mauerbiene. Mauerbienen heißen nicht deshalb so, weil sie in Mauern nisten – was sie jedoch auch tun, wenn sie dort horizontale Bohrlöcher oder ähnliches finden – Mauerbienen heißen so, weil sie die Wände der einzelnen Brutzellen und den Verschluss ihrer Nester „mauern“. Die Rostrote und die Gehörnte Mauerbiene nutzen dafür mineralische Baustoffe in Form von lehmiger Erde.

Ab Mitte April tritt eine weitere Gruppe von Mauerbienen auf den Plan, zu der auch die häufige Stahlblaue Mauerbiene (Osmia caerulescens) gehört. Vielleicht weil in der wärmeren Jahreszeit feuchter Lehm als Baustoff knapp wird, mauern diese ihre Nester aus zerkautem und mit Speichel vermengtem Pflanzenmaterial. Mit etwas Glück kann man die Bienenweibchen sogar dabei beobachten, wie sie mit diesem “Pflanzenmörtel”, einer grasgrünen Kugel zwischen den Mandibeln, zum Bienenhotel fliegen. Dem Fotografen Jeremy Early sind davon sogar Fotos gelungen.

Der Name Stahlblaue Mauerbiene bezieht sich auf die blau-metallisch schimmernde Körperfarbe des Weibchens. Dieses ist außerdem an seinem ungewöhnlich großen Kopf und der schütteren weißen Behaarung zu erkennen. Die Bienenart ist ein gutes Beispiel für den so genannten „Geschlechtsdimorphismus“. Das Männchen ist nämlich nicht blau-metallisch gefärbt, sondern eher bronzefarben. Zudem ist es relativ dicht und lang, fuchsrot behaart und hat grünliche statt schwarze Augen. Anders als andere Bienen, bei den die Männchen oft nur wie verkümmerte Weibchen wirken, unterscheidet es sich damit deutlich vom Weibchen.

Die Stahlblaue Mauerbiene ist bis Mitte Juli zu finden. In guten Jahren bringt sie noch eine zweite Generation hervor, die dann sogar bis in den August hinein fliegt.

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Anthophora plumipes – Mit dem Moped durchs Dorf

… so könnte man das Verhalten des Männchens der Frühlings-Pelzbiene (Anthophora plumipes) beschreiben, wenn es im Frühjahr im Garten seine Kreise um lila und blaue Frühblüher zieht.

Wie ein hormongetriebener Teenager, hofft es dabei, Mädchen (sprich: paarungswillige Weibchen) zu treffen. Die ungewöhnlich langen Schmuckfransen an seinen Mittelbeinen erinnern dabei sehr an die Ärmelfransen an einer feschen Lederjacke. Auch sein Flugverhalten läßt an einen motorisierten Halbstarken denken. Wie alle Pelzbienenmännchen fliegt es sehr schnell und mit allerlei Tricks, wie abrupten Stopps und Wendungen. Und wie es sich gehört, wenn man auf Beachtung aus ist, ist es dabei auch noch ordentlich laut.

Die Weibchen der Frühlings-Pelzbiene kommen da schon weit bescheidener daher. Sie sind eher unaufällig braun und erinnern durch ihren gedrungenen Körper und die lange, dichte Behaarung an kleine Hummeln. Doch anders als diese sind auch die Pelzbienenweibchen gekonnte Flugakrobaten, die zum Nektartrinken sogar in der Luft stehen können. Ihre Nester legt Anthophora plumipes gern in altem Gemäuer mit mürbem Kalk- oder Lehmmörtel an.

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Andrena vaga – Keine Angst vor Erdbienen

Wildbienen, also solitär nistende Bienenarten, die keine Völker bilden, gehören neben den Honigbienen zu unseren wichtigsten Bestäubern. Leider machen Pestizide und der Verlust von Lebensräumen und Nahrungsquellen auch ihnen das Leben immer schwerer, so dass allein in Sachsen bereits 70 % der über 400 heimischen Wildbienenarten in ihrem Bestand bedroht oder bereits ausgestorben sind. Aus diesen Gründen sind alle Wildbienenarten vom Gesetzgeber unter besonderen Artenschutz gestellt. Sie dürfen weder gefangen, noch beim Nisten gestört oder gar getötet werden. Auch die Bienennester selbst stehen unter diesem besonderen Schutz und dürfen nicht zerstört werden.

Etwa 3/4 aller nestbauenden Wildbienenarten nisten in der Erde – meist in vegetationsfreien oder spärlich bewachsenen Bodenstellen. Da die Weibchen einzeln nisten, bleibt das bei den meisten Arten vollkommen unbemerkt. Es gibt aber einige Bienenarten, die zwar solitär, aber in kleinen oder größeren Kolonien nisten. Zu diesen gehören, neben anderen, eine große Anzahl an Sandbienenarten, darunter die schöne Weiden-Sandbiene (Andrena vaga). Auch solche Gruppen von Nestern blieben normalerweise unbemerkt, da die Bienenweibchen recht vereinzelt ihrem Brutgeschäft nachgehen – wären da nicht die paarungswilligen Männchen, die im Frühling oft in großer Zahl um die Nester der Weibchen patrouillieren. Hier beruhigt es zu wissen, dass Bienenmännchen keinen Giftstachel besitzen – von diesen über den Boden schwirrenden Bienen also keinerlei Gefahr ausgeht. Die stacheltragenden Weibchen sind dagegen kaum wahrzunehmen, da sie von ihrem Sammelflug heimkehrend recht schnell in ihren Nestern verschwinden. Man erkennt sie an den dicken Pollen-Paketen an ihren Hinterbeinen.

Angst vor Angriffen muß man aber auch bei den Weibchen nicht haben, da sie niemals Menschen angreifen. Zu Stichen kommt es ausschließlich, wenn so ein Wildbienenweibchen gequetscht wird. Da deren Stachel aber meist sehr dünn und nicht, wie bei der Honigbiene, mit einem Widerhaken versehen ist, bleibt es selbst bei solchen seltenen Stichen bei einem leichten Piks. Auch die abgegebene Giftmenge ist viel geringer und in ihrer Zusammensetzung weniger aggressiv als bei Honigbienen, so dass es keinen Grund gibt, Wildbienen zu fürchten. Im Gegenteil sind solche Wildbienenkolonien spannend zu beobachten. Man sollte nur darauf achten, die Nesteingänge nicht zu verschütten. Nach 2 bis 3 Wochen ist der Spuk dann auch schon wieder vorbei – bis zum nächsten Jahr zur gleichen Zeit, wenn die Bienen der neuen Generation schlüpfen.

Das Männchen von Andrena vaga läßt sich vom Weibchen gut durch seinen dichten, weißen “Bart” und die übermäßig vergrößerten Mandibeln unterscheiden. Falls es in Eurer Nähe Bestände der Weiden-Sandbiene gibt, würden wir uns über eine Meldung auf Insekten-Sachsen.de freuen.

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