Lehrpfad: Nr 6 – Bienenfreundliche Grabbepflanzung

Für Insekten, Vögel und andere Tiere sind Friedhöfe wichtige Lebensräume.
Insbesondere Insekten freuen sich über Blüten, die Nektar und Pollen spenden.

Das Pflanzen von blühenden Nahrungsquellen auf den Gräbern ist eine gute Möglichkeit dieses Leben zu fördern.
Auf einer Modellfläche auf dem Striesener Friedhof sind Ideen aufgezeigt, wie eine Gestaltung der Gräber im Jahreslauf ohne viel Aufwand möglich ist.
Aus der großen Auswahl der in Frage kommenden Pflanzen sind hier beispielhaft einige aufgeführt.

Im Frühjahr ist der große Auftritt der Zwiebelpflanzen: Krokusse, Blausterne und Winterlinge stellen schon früh im Jahr Nektar und Pollen für Hummeln und Bienen bereit. Lungenkraut, Himmelschlüsselchen, Akelei und kriechender Günsel (Bodendecker) folgen.

Akelei mit Hummel Akelei: (c) Daniel Wanke (Pixabay)

Im Sommer seien aus der großen Vielfalt besonders umschwärmter Pflanzen Glockenblumen, Salbei, Lavendel, Katzenminze, Thymian und Stockrose hervorzuheben.

Glockenblume mit Bienenpo (c) Marion Loeper

Im Herbst sind besonders Fetthenne (Sedum telephnium), Astern und die Besenheide (Calluna vulgaris) eine gute Nahrungsquelle.

Fetthenne (c) Manfred Richter (Pixabay)

Neben den genannten mehrjährigen Pflanzen, die immer wieder kommen und somit den Pflanzaufwand reduzieren, können Einjährige die Pflanzung ergänzen. Vertreter hierfür sind Vergissmeinnicht, Ringelblume, Kornblume oder Sonnenblumen, die den Menschen Freude und den Tieren Nahrung schaffen.

Vorraussetzung ist jedoch immer, dass die Blüten ungefüllt sind, denn nur dann können die Insekten den wertvollen Pollen und Nektar der Blüten erreichen.

Bei der Pflanzung ist auf die jeweiligen Standortansprüche der Pflanzen (Besonnung, Boden und Bodenfeuchte) zu achten.

Auf der beispielhaften Modellfläche sind Ideen aufgezeigt, wie eine Gestaltung im Jahreslauf ohne viel Aufwand mit diesen oder anderen Pflanzen möglich ist.

 

 




Lehrpfad: Nr 3 – Honigbienen weltweit

Stationsverantwortliche: Marion Loeper

Honigbienen gehören zu den Hautflüglern. Diese Gruppe, zu der auch Wespen, Hornissen, Hummeln und Ameisen gehören, entwickelte sich zur vielfältigsten Kategorie innerhalb der Insektenwelt. Evolutionär ging die Biene wohl vor etwa 50 Millionen Jahren aus der Wespe hervor. (Fast) alle Bienen sammeln Nektar – aber nur Bienen der Gattung Apis (Honigbienen) legen große Vorräte davon an und bilden Staaten. Das ermöglicht ihnen zeitweise unabhängig von der Umgebung zu überleben – so wie unsere Honigbienen im Winter. Diese Anpassungsfähigkeit erklärt das weltweite Vorkommen der Honigbienen. Es gibt 9 Arten der Honigbiene, die sich in körperlicher Hinsicht (Größe, Färbung, Behaarung), regionaler Verteilung und Lebensweise unterscheiden.

Es gilt als gesichert, dass sich die Honigbiene in Afrika und später in Europa entwickelte, jedoch auf Grund der Eiszeit in wärmere Gebiete Afrikas und Asiens zurückgedrängt wurde. Die Westliche Honigbiene (Apis mellifera) kehrte im Zuge der Kolonialisierung als einzige Honigbienenart über Afrika und den mediterranen Raum nach Eurasien zurück. Die anderen acht der neun weltweit anerkannten staatenbildenden Honigbienenarten sind heute lediglich noch in den tropischen Gebieten des asiatischen Kontinentes heimisch.

Zwerghonigbienen
Zwerghonigbiene
Zwergbuschbiene
 
Apis florea
Apis andreniformis
Höhlennistende Bienen
Westliche Honigbiene
Rote Honigbiene
Asiatische Bergbiene
Östliche Honigbiene
Apis nigrocincta
 
Apis mellifera
Apis koschevnikovi,
Apis nuluensis
Apis cerana
Apis nigrocincta
Riesenhonigbienen
Kliffhonigbiene
Riesenhonigbiene
 
Apis laboriosa
Apis dorsata

Tabelle: Übersicht über die Honigbienen weltweit1

Das Verbreitungsgebiet der westlichen Honigbiene reicht vom Süden Afrikas bis zum 60.Grad nördlicher Breite hoch im Norden Europas, vom Kaukasus im Osten bis zum südlichsten Zipfel Spaniens.  In diesen klimatisch stark voneinander abweichenden Lebensräumen bildete die Westliche Honigbiene zahlreiche Unterarten aus, die perfekt an das regionale Klima und die damit verbundene Vegetation angepasst sind. Der Umgang mit Vorratshaltung für den Winter oder für Trockenzeiten im Sommer und die Abwehr von Krankheitserregern, Feinden und Räubern sind die große Herausforderungen. Die westliche Honigbiene gehört zu den höhlennistenden Arten. Im Gegensatz dazu gibt es auch freibrütende Arten, die an Ästen nisten.

Zu den Unterarten der westlichen Honigbiene gehört die Dunkle Biene (Apis mellifera mellifera), die einzige Honigbiene, die nach der letzten Eiszeit in den Wäldern der nördlichen Hemisphäre Europas lebte. Südlich der Alpen lebten die Iberische Biene (Apis mellifera iberica) sowie in Italien Apis mellifera ligustica und in Österreich Apis mellifera carnica.

Die Kärntner Biene, auch einfach „Carnica“ genannt, eine Bergbiene, die in den Alpen auf etwa 1.500 m zu Hause ist, wurde im letzten Jahrhundert in Deutschland eingeführt und ist mittlerweile aufgrund ihrer für den Imker günstigen Eigenschaften (z.B. Sanftmütigkeit, rasche Frühjahrsentwicklung) die überwiegend vorkommende Honigbiene. Mittlerweile gibt es gezielte Züchtungen wie z.B. die Buckfastbiene, eine genfeste Kreuzung aus italienischer und dunkler Biene – eine sehr leistungsstarke Biene mit dem Schwerpunkt auf Honigertrag2 – und die Landbiene, die durch Paarung verschiedener ortsansässiger Ökotypen der lokalen Unterart der Honigbiene entsteht.

Die meisten Honigbienenvölker werden von Imkern betreut. Sie sind jedoch in der Lage selbstständig zu überleben, was die zahlreichen wildlebenden Bienenvölker3 in Baumstämmen und Häusern, auch in und um Dresden beweisen. Allerdings sind diese beständig gefährdet durch fehlende Lebensräume und Nahrungsquellen, sowie durch Krankheiten und Schädlinge, beispielsweise die Varroamilbe oder die Amerikanische Faulbrut, die im Zuge der Globalisierung aus anderen Teilen der Welt importiert wurden.

 

 

 

Quellen bzw. weiterführende Literatur:

1 Ruttner: Naturgeschichte der Biene Franckh-Kosmos-Verlag, Stuttgart 1992.
2 Bruder Adam: Koch, C; Auflage: 2., Aufl. (1983)
3 Seeley T.D.: Auf der Spur der wilden Bienen.

Gay J., Menkhoff, I.: Das große Buch der Bienen. Fackelträger Verlag, Köln, 2012




Lehrpfad: Nr 11 – Wesensgemäße Bienenhaltung

Stationsverantwortlicher: Alexander Schlotter

Die grundlegende Idee der wesensgemäßen Bienenhaltung ist ein tiefer Zugang des Imkernden zur Idee des „Biens“: das Bienenvolk als einem individuellen und intelligenten Organismus, der mehr ist als die Summe seiner Einzelteile. Es geht um Respekt vor dem anderen Wesen.

Die Ursprünge der Wesensgemäßen Bienenhaltung reichen bis zu der vor etwa einhundertfünfzig Jahren von Johannes Mehring und später von Ferdinand Gerstung formulierten organischen Auffassung des Bienenvolks als einem Organismus zurück.

Die Bezeichnung selbst entstammt wohl den Vorträgen Rudolf Steiners, dem Begründer der anthroposophischen Idee, „Über das Wesen der Bienen“ von 1923.

Folgende Grundlagen der Arbeit mit den Bienen zeigen, dass versucht wird, so nah wie möglich an den natürlichen Lebensäußerungen der Bienen zu arbeiten. Sie sollen sozusagen gelenkt, nicht gezwungen werden.

  • Grundlage für die Vermehrung ist ausschließlich der natürliche Schwarmtrieb der Bienen. Wesentlich ist: die Bienen geben den Vermehrungsimpuls, nicht der Imker. Trotzdem heißt imkern mit dem Schwarmtrieb nicht zwingend, ausschließlich über Naturschwärme zu vermehren. Dem Imker stehen vielfältige Möglichkeiten der sogenannten Schwarmvorwegnahme zur Verfügung.
  • Die aus dem Schwarmtrieb resultierenden, meist fest terminierten Abläufe im Bienenvolk und der Naturwabenbau werden auch zur Bauerneuerung genutzt. Nach dem Auslaufen der letzten alten Brut, wenn die junge Königin gerade beginnt, die ersten Eier zu legen, werden alle Waben durch den Imker entnommen und durch die Bienen neu erbaut.
  • Die Bienen bauen ihre Waben im Brutraum vollständig aus eigenem frischen Wachs (Naturwabenbau) ohne Vorgabe von vorgeprägten Wachsplatten. Der Wabenbau ist für die Bienen ein lebenswichtiges Organ, in das wir so wenig wie möglich eingreifen.
    So ist auch das Brutnest – Gerstung nennt es „das Bienkind“ –  gleichsam ein Heiligtum. Hier wird nichts umgehängt, getauscht oder gedreht.
    Ein wichtiger Vorteil des Naturwabenbaus ist, dass vollständig auf die Gabe von Altwachs in Form von Mittelwänden verzichtet werden kann. Es sind lediglich Holzleisten als Baurichtungsvorgabe erforderlich.

Selbstverständlich wird dem Bien außerdem eine „Wohnung“ (Beute) aus natürlichen Materialien (also nicht aus Styropor oder Plastik) zur Verfügung gestellt .

Wesensgemäß – ein großes Wort

Der Begriff leitet sich aus der anthroposophischen Weltanschauung her und fußt auf Rudolph Steiners Arbeitervorträgen Über das Wesen der Bienen am Goetheanum, 1923.

Betrachtet man die Formulierung ohne anthroposophische Brille, kann man durchaus zu der Einschätzung gelangen, es handele sich um eine gehörige Portion Anmaßung. Wissen wir denn, was das Wesen der Biene ist, wenn wir Schwierigkeiten haben, unser eigenes Wesen zu erkennen? Und ist das nicht sowieso ein Widerspruch: „wesensgemäß“ und „BienenHALTUNG“ oder noch besser „Imkerei“?

Der wesensgemäßen Bienenhaltung jedenfalls, und damit dem Mellifera e.V. und im Norden dem De Immen e.V., ist das wieder entstandene breite Interesse an Bienen und der Imkerei zu verdanken und ein schon früh breit aufgestelltes Angebot an Weiterbildungsmöglichkeiten für Imker. Auch die Bienenkiste, wie kritisierenswert sie auch immer sein mag, hat vielen einen niedrigschwelligen Einstieg in die Imkerei gebracht.

Und: „wesensgemäße Bienenhaltung“ ist eine griffige Umschreibung für das, was man sonst vielleicht „Imkerei auf Grundlage einer organischen Auffassung vom Bien“ nennen müsste.

Fazit

Es geht in der wesensgemäßen Bienenhaltung um eine Imkerei, deren geistige Haltung den Bien als einen integren Organismus respektiert. Es geht um Respekt vor dem anderen Wesen und auch die imkerlichen Ertragsabsichten werden daran orientiert.

Weiterführende Literatur:

 




Lehrpfad: Nr 13 – Historische Bienenbeuten

Stationsverantwortliche: Karsten Jahnke und Claudia Sperling

Hohle Bäume sind für Honigbienen in Mitteleuropa perfekte Nistplätze. Sie bieten im Winter Schutz vor der Kälte und erschweren es Räubern den süßen Honig zu stibitzen. Aber schon in der Frühzeit versuchten auch Menschen einen Teil des Honigs zu bekommen – anfangs indem sie die Honigwaben aus den natürlichen Baumhöhlen entnahmen (Zeidlerei). Einfacher wurde es später dadurch, dass künstliche Baumhöhlen für Bienen (sogenannte Beuten) anfangs in Stämmen, später auch aus anderen Materialien hergestellt wurden. Schon in der Antike wurde dafür im Mittelmeerraum Ton verwendet. In anderen waldarmen Gebieten sind Strohkörbe, sogenannte Stülper, beliebt.

Die ersten künstlichen Bienenbeuten aus Holz waren Klotzbeuten, deren Form der natürlichen Form des Stammes ähnelt, die aber räumlich bewegt werden können. Damit stellten sie den Übergang zur modernen Bienenhaltung dar. Im Innenraum von Klotzbeuten können die Bienen ihre Waben entweder frei anlegen oder es werden Holzstäbe als Bauhilfe eingefügt, was die Entnahme des Honigs sehr erleichtert.

Die beiden hier im Museum für Sächsische Volkskunst ausgestellten sogenannten Figurenbeuten vereinten praktische Zwecke mit dekorativen und repräsentativen. Ihre Blütezeit erlebten diese volkstümlich geschnitzten und bemalten Beuten, die eher an Holzstatuen als an Bienenwohnungen erinnern, zwischen der Mitte des 18. und dem Ende des 19. Jahrhunderts.

Die dargestellten Figuren waren häufig furchteinflößend anzusehen – wieder sollten Honigräuber abgeschreckt werden. Beliebt waren deswegen Beuten mit militärisch-kriegerischem Hintergrund, teilweise kombiniert mit exotischen Elementen, wie Kosaken, Husaren oder Türken. Aber auch auf den Hinterbeinen stehende Bären und Löwen waren beliebt.

Andere Imker bevorzugten Figuren aus dem religiösen oder bäuerlichen Umfeld wie Strickerinnen, Bauern in Tracht oder Apostel und Heilige, beispielsweise den Schutzheiligen der Imker, den Heiligen Ambrosius.

Moderne Figurenbeuten gibt es nur wenige. Bei der Neugestaltung von Bienenbeuten werden für die Darstellung oft historische Persönlichkeiten gewählt. Vermehrt soll mit der künstlerischen Darstellung auch das Bewusstsein für die Biene als wichtigem Teil der Natur geweckt werden.

Figürliche Bienenbeuten: Strickerin und Stricker. Umgebung von Tharandt, Mitte 19. Jahrhundert, Erlenholz mit Kaseinmalerei

 

Quellen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Klotzbeute
https://www.monumente-online.de/de/ausgaben/2006/4/bienen-im-bauch.php#.XlT_EetCdTY
https://www2.hu-berlin.de/bienenkunde/index.php?id=119

 

 

 




Lehrpfad: Nr 12 – Naturgarten

Stationsverantwortliche: Claudia Sperling & Cornelia Obst

Der Interkulturelle Naturgarten Coswig ist ca. 11.000 m² groß – und bietet (Wild-) bienen ein abwechslungsreiches Nahrungsangebot sowie vielfältige Nistmöglichkeiten. Es gibt eine große Blühwiese und die Beetflächen sind von Wildkräutern umgeben. Die gesamte Fläche ist mosaikartig strukturiert aus offenen Böden (meist Beete), kurzrasigen Wiesenflächen mit sandigen, graslosen Stellen, Altgrasstreifen, umfangreichen Grünschnittlagerungen, Wurzel-und Astlagerungen sowie Steinhäufen. Die Randbereiche bestehen aus Wildsträuchern und Bäumen. In den Grünschnittlagerungen wurden mehrfach Nester verschiedener Wildbienen festgestellt. Und aufgrund der vielfältigen Habitate finden neben den Bienen auch viele andere Insekten, Spinnen, Vögel, Zauneidechsen, Ringelnattern und kleine Säugetiere Unterschlupf und Nahrung. Weiterhin erfreuen sich 2 Honigbienenvölker an den vielfältigen Blütenangeboten.

Auf den Beeten findet man viele Blumen – selbstverständlich bienennährende! Aber auch verschiedene Gemüsearten und – sorten, Kräuter, Beeren und Wildobstarten werden ökologisch angebaut. Es gibt zahlreiche Gemüse wie z.B. Tomate, Paprika und Aubergine die nach einer Bestäubung besser fruchten. Bei anderen Gemüsesorten wie Kohl, Möhren, Spargel, Lauch und Zwiebeln kann man einige Pflanzen stehen lassen. Das ist zu einem hübsch anzusehen und zum anderen erfreuen sich die Spargel-Schmalbiene (Lasioglossum sexnotatum) oder die Lauch-Maskenbiene (Hylaeus punctulatissimus) daran.

Als Nistmöglichkeit für die zahlreichen bodenlebenden Wildbienen (ca. 75 % der Wildbienen gehören dazu) beinhaltet der Naturgarten neben einem großen Teil nicht bearbeiteter Brachflächen zusätzlich zwei Lehmbauten. Im Frühjahr ist weiterhin der Bau einer Bruchsteinmauer mit Lehmfüllung geplant.

Lehmbau-Nisthilfe

Der Verein “Interkultureller Garten Coswig e.V.” gründete sich im Jahr 2008. Nicht nur der Natur wurde hier Raum gegeben. Hier fanden Menschen die Möglichkeit für Begegnung und Austausch sowie eine sinnvolle Beschäftigung. Aus diesem Grund wurde gemeinsam mit Aussiedlern und Einheimischen auf diesem Stück Land der Stadt Coswig ein Garten angelegt.

Die Mitstreiter kommen aus Radebeul und Coswig aber auch aus Pakistan, Indien und Libyen. Sie brachten neue kulturelle Impulse und auch Anbaumethoden mit und hauchen dem Namen des Gartens Leben ein.

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Quellen:

Der Wildbienen-Schaugarten: Schöne Pflanzen als Bienenmagnete im Naturgarten. Mandy Fritzsche ISBN: 978-3981880311

Wie es im Gemüsegarten summt. kraut&rüben 4/2017

 




Lehrpfad: Nr. 9 – Hummeln – Majestäten auf Futtersuche

Autoren: Marion Löper, Kerstin Walther

Jedes Jahr im Frühjahr kommen Hummelköniginnen unterschiedlich gestreift, aber immer flauschig und durch ihren Pelz wärmend geschützt aus ihren Winterquartieren in die zögerlich erwachende Frühlingsflur. Sie haben einen Riesenhunger. Nach einem langen Winterschlaf, ganz auf sich gestellt, benötigen sie Nektar, um Kraft und Energie zu tanken und eiweißreichen Pollen zum Reifen der Ovarien – der Voraussetzung, um einen eigenes Volk zu gründen. Eine blühende Krokuswiese bietet den Hummelköniginnen im Frühjahr daher ein großartiges Hummelköniginnenfrühstück!

Für die Hummelkönigin gibt es im Frühjahr viel zu tun: Sie muss einen geeigneten Nistplatz finden. Baumhummeln werden in hohlen Bäumen und Vogelnistkästen fündig, Erdhummeln bevorzugen verlassene Nagetiernester. Wiesen-, Acker- und Veränderliche Hummeln nisten sowohl ober- als auch unterirdisch. Das Nest wird mit Gras oder Moos gepolstert.

Die Hummelkönigin baut ein Wachstöpfchen, legt den gesammelten Pollen hinein und darauf ihre Eier. In einem zweiten Wachstopf sammelt sie Honig als Nahrung für die Larven und sich selbst. Aktiv wärmt sie die Brut und hält dabei eine konstanten Nesttemperatur von 30-33°C. Nach 3 Wochen schlüpfen die ersten Arbeiterinnen, die sie bei Brutpflege und Nahrungssuche unterstützen.

Später im Jahr, wenn das Volk gewachsen und sich auf dem Höhepunkt seiner Entwicklung befindet, schlüpfen die Geschlechtstiere. Die voll entwickelten Weibchen, die Jungköniginnen werden von den Männchen, den Drohnen, begattet, fressen sich ausreichend Winterspeck an und suchen sich ein geschütztes Winterquartier. Sie verbringen anschließend bis zu acht Monate im Winterschlaf.  Zeitig im folgenden Jahr werden die überlebenden Hummelköniginnen einen neuen Hummelstaat gründen.

Hummeln sind Wildbienen. In Europa gibt es 36 heimische Arten. Sieben davon sind gut zu unterscheiden und gelten als häufig. 16 dagegen stehen auf der Roten Liste.

Hummeln gehören zu unseren wichtigsten Bestäubern. Eine einzelne Hummel besucht pro Tag mehrere Tausend Blüten und ist dafür, auch bei trüben oder kaltem Wetter, bis zu 18 Stunden unterwegs. Mehr als 100 verschiedene Obst- und Gemüsesorten sind auf die Bestäubung durch Hummeln angewiesen.

Krokuswiesen – Hummelköniginnenfrühstück

2019 wurden auf dieser Wiese auf dem Neuen Annenfriedhof 10.000 Stück der robusten Wildart des Dalmatiner- oder Elfenkrokus (Crocus tommasinianus), ursprünglich aus dem westlichen Balkan stammend, gepflanzt.

Krokusse sind ausdauernde Knollenpflanzen, die sich nicht nur über Brutknollen vermehren und über die Jahre große Horste bilden, sondern sich auch versamen können. Durch Bestäubung der Krokusse durch Insekten werden ein paar Wochen nach der Blüte kleine Samenkapseln gebildet. Ameisen verbreiten die Samen über weite Entfernungen.

Dieser zarte, elfengleiche Krokus blüht früher als die meisten anderen Krokusse im Jahr. Schon Ende Februar/Anfang März schieben sich seine hellvioletten schmalen Blüten auf ihren langen weißen Blütenröhren meist noch durch den Schnee.

Will man die Krokusse in der Wiese erhalten, sollte die 1. Mahd nicht vor Ende Mai erfolgen. Die Zwiebeln müssen in Ruhe ihre Laubblätter einziehen können, um genügend Kraft für die Blüte im nächsten Jahr zu haben.

Geduld sollte man bei der Anlage einer Krokuswiese aufbringen, ist sie doch ein Zeichen eingewachsener Gärten und Parks, denn bis eine dichte Fläche mit diesen kleinen, zarten Einzelblüten entstanden ist, vergehen schon mal 50 Jahre. Umso wertvoller, dass es hier auf dem Neuen Annenfriedhof solche Flächen schon gibt.

Friedhöfe sind in dichtbebauten Stadtgebieten ein willkommener Rückzugsort für Mensch und Tier.

Blütenreiche und früchtetragende Sträucher und Bäume bieten Insekten und Vögeln Nahrung und Unterschlupf zugleich.

Ein Friedhof hat neben Grabstätten auch immer bemessene Flächen für Zeiten der Not vorzuhalten. Diese weitläufigen Flächen geben dem Neuen Annenfriedhof einen parkähnlichen Charakter. Gleichzeitig gibt es eine große strukturelle Vielfalt mit einer Mischung aus alten Alleen, Neupflanzungen, weiten Wiesen und überwiegend gepflegten wie auch einigen urwüchsigen Bereichen.

Insbesondere der Teilbereich „Friede & Hoffnung“, in dem auch die Krokuspflanzaktion am 05.10.2019, initiiert und umgesetzt von „Biene sucht Blüte“, einer AG für Wildbienenschutz im Imkerverein Dresden, dem Verband der Annenfriedhöfe und Anna Kosubek – Solutions by nature, stattfand, wird von Spaziergängern gern genutzt und spielt gleichzeitig eine große Rolle für den Arten- und Biotopschutz.

Hervorzuheben ist auf diesem Friedhof der Ideenreichtum, friedhofseigene Flächen für weitere Nutzungen zu öffnen. So existiert seit Frühjahr 2019 am alten Gärtnerhaus der Annengarten, ein Gemeinschaftsgarten für Anwohner (www.annengarten.ufer-projekte.de).

                      

 

 




Lehrpfad: Nr. 2 – Nisthilfe für Wildbiene “Flocki”

Autor: Mandy Fritzsche

Der größte Teil der über 400 in Sachsen vorkommenden solitären Wildbienen-Arten nistet in ebenen, vegetationarmen Bodenstellen oder in lehmigen Steilhängen. Eine davon ist die extrem seltene Flockenblumen-Blattschneiderbiene (Megachile apicalis). In Sachsen galt sie jahrzehntelang als ausgestorben, bevor sie im Jahr 2016 mit einem stabilen Vorkommen auf einer Baubrache am Weißeritz-Grünzug wiederentdeckt wurde, wo sie in mehreren Bauschutthügeln nistete.

Um trotz geplanter Beräumung und anschließender Neubebauung das lokale Vorkommen dieser besonderen Biene zu bewahren, wurde in Kooperation des Umweltamtesder Stadt Dresden mit dem Imkerverein Dresden e. V. eine Nisthilfe errichtet, bestehend aus drei mit sandigem Lehm und flachen Pläner-Sandsteinen gefüllten Gabionen. Die Umsetzung erfolgte durch die Lehrausbildung des Regiebetriebes Zentrale Technische Dienstleistungen.

Die Weibchen der Flockenblumen-Blattschneiderbiene bauen Ihre Brutzellen in vorgefundene Hohlräume, wie Ritzen und Spalten in Steilwänden und Geröll, Löchern im Erdboden und hohlen Pflanzenstängeln. Die Brutzellen bestehen aus kreisrunden Blattabschnitten, die die Biene mit Ihren Mundwerkzeugen aus dem Laub von Bäumen und Sträuchern herausschneidet und zum Nest trägt. Der Pollen, mit dem die Flockenblumen-Blattschneiderbiene ihre Brut ernährt, wird bevorzugt von Flockenblumen und Disteln gesammelt. Das reiche Vorkommen an Flockenblumen auf dem Weißeritz-Grünzug bietet der Art damit ausreichend Nahrung für eine erfolgreiche Fortpflanzung – ebenso wie einer Vielzahl weiterer, auf Flockenblumen spezialisierter Wildbienenarten, wie der ebenfalls sehr seltenen und auf dem Weißeritz-Grünzug heimischen Bedornte Mauerbiene (Osmia spinulosa), einer Besiedlerin von leeren Schneckenhäusern.

Besonderer Dank gilt der Hoy Geokunststoffe GmbH, der Humuswirtschaft Kaditz GmbH und den Dresdner Bienenfreunden Kathleen Strey und Gerd Kleber, durch deren großzügige Materialspenden der Bau der Nisthilfe realisiert werden konnte.

 




Lehrpfad: Nr. 4 – Top Bar Hive

Autor: Vincent Schröder McKillop

Honigbienen können in vielfältigen Behausungen leben – von der guten alten Baumhöhle über den traditionellen, Stülper genannten Bienenkorb bis zur heutzutage üblichen Magazinbeute mit Rähmchen. Der Imker bezeichnet die Bienenwohnung als Beute, welche aus meist mehreren Kisten, den Zargen, besteht. An diesem Ort ist eine weniger bekannte Beutenform zu sehen. Die sogenannte Top Bar Hive (Oberträgerbeute) ist heutzutage bei Imkern beliebt, die Naturwabenbau durch die Bienen selbst zulassen und die Bienen weniger stören möchten. Da das Bienenvolk immer nur stückweise geöffnet wird, bleiben die Bienen besonders ruhig. Die Oberträgerbeute ist eine simple Beutenform, in der die Waben statt in Rähmchen an Leisten, den Oberträgern, frei hängend von den Bienen selbst gebaut werden. Sie sieht aus wie ein länglicher Trog. Dieser wird von den Oberträgern verschlossen, sodass keine Zargen aufeinander gestapelt werden.

Die Top Bar Hive hat dadurch den Vorteil, dass man beim Imkern nicht schwer heben muss. Aus diesem Grund wird sie hier am Gymnasium mit Jugendlichen eingesetzt. Des weiteren lässt sie sich unkompliziert selbst bauen und lässt es dennoch zu, einzelne Waben zu kontrollieren. Für diesen Zweck wurde sie auch in Kenia im Rahmen von Entwicklungsprojekten weiterentwickelt. Ähnliche Beutenformen existierten aber wahrscheinlich schon in der Antike.

 

 




Lehrpfad: Nr. 5 – Lehmwand-Nisthilfe für Steilwandbewohner am JÖH

Lehmwand – Nisthilfe für Steilwandbewohner am JÖH
Autor: Claudia Sperling

Sie stehen vor einer einem Fachwerkhaus nachempfundenen Lehmwand im Eingangsbereich des Jugendökohauses Dresden. Diese Wand kann verschiedenen Wildbienenarten als Ersatzhabitat für natürliche Steilwände dienen. Ursprünglich lebten diese Bienen in Uferabbrüchen natürlicher Flussläufe. Jedoch sind zahlreiche dieser natürlichen Lebensräume in den letzten 150 Jahren nach und nach vernichtet worden. Ersatzweise finden sich dafür in der Kulturlandschaft aufgelassene Sand- und Lehmgruben, sonnenbeschienene Steilhänge in Weinbergen oder Häuser mit Lehm oder Kalkmörtel. Aber auch viele diese Ersatzlebensräume sind in den letzten Jahrzehnten weggefallen. Künstliche Lehmwände könnten diese Lücke wenigstens teilweise füllen.

Das ist wichtig, da zahlreiche Bienenarten auf Lehm als Nistsubstrat angewiesen sind.

Die hier nistenden Bienen sind grabende Bienenarten, die vorzugsweise in Löss oder sandigem Lehm siedeln. Besonders gern werden schon vorhandene (vorgebohrte) Löcher mit 5-8 mm Durchmesser als Ausgangspunkt für die eigene Grabtätigkeit angenommen.

Häufig sind Pelzbienen (Gattung Anthophora, vor allem A. plumipes) Pioniere solcher Nistplätze. Sie vertiefen grabend vorhandene Löcher in Lehmwänden, um am Ende zweier oder dreier Seitengänge mehrzellige Nester anzulegen. Die Nester dieser Bienen dienen dann in den Folgejahren oft auch anderen Solitärbienen und -wespen als Nistgänge.

Oft findet man an Lehmwandnisthilfen Arten der Gattungen Chalicodoma (Mörtelbienen, z.B. Chalicodoma ericetorum) und Lasioglossum (Schmalbienen, z.B. Lasioglossum limbellum) sowie die Vierfleck-Pelzbiene (Anthophora quadrimaculata) und die Buckel-Seidenbiene (Colletes daviesanus).

Auch andere Hautflügler profitieren von dem Nistplatzangebot. Man findet Schornsteinwespen (Odynerus) und nicht nur die Pillenwespe (Eumenes pedunculatus) errichtet aus dem lehmigen Baumaterial ihre krugförmigen Brutzellen.

Wie man an dieser Lehmwand, die bewusst nicht durch ein Drahtgeflecht geschützt wurde, gut sehen kann, profitieren auch Vögel von dem reichhaltigen Nahrungsangebot. Aus diesem Grund kann man gut die Anlage der Brutgänge im Inneren beobachten.

Für die eigene Anlage einer Lehmwand als Nisthilfe findet man in Büchern und im Internet zahlreiche Tipps. Besonders zu empfehlen sind die unten gelisteten Beispiele, aus denen auch die Information für diese Station des Bienenlehrpfades entnommen wurde.

  1. Wildbienen – Die anderen Bienen. Paul Westrich, Verlag Dr. Friedrich Pfeil, München 2015
  2. https://www.wildbienen.info
  3. http://www.wildbienen.de

 

 

 




Nisthilfe für Wildbiene “Flocki” fertig zum Einzug

Am Dresdner Weißeritz-Grünzug wurde heute mit Anbringung der Infotafel als zweite Station des Dresdner Bienenlehrpfades offiziell die neue Nisthilfe für die Flockenblumen-Blattschneiderbiene (Megachile apicalis), kurz „Flocki“, fertiggestellt. Diese seltene Biene galt seit Jahrzehnten in Sachsen als ausgestorben, bevor sie 2016 mit einem stabilen Bestand auf einer Baubrache am Weißeritz-Grünzug wiederentdeckt wurde. Die aus drei mit sandigem Lehm und flachen Steinen gefüllten Gabionen bestehende Nisthilfe soll ihr trotz anstehender Bebauung ein neues Zuhause bieten.

Wie ihr Name schon andeutet, bevorzugt die Flockenblumen-Blattschneiderbiene – ebenso wie noch ca. 40 andere in Deutschland vorkommende Wildbienenarten – Flockenblumen (Centaurea) als Pollenquelle für die Ernährung ihrer Brut. Der reiche Bestand an Flockenblumen am Weißeritz-Grünzug bietet der Biene damit beste Vorraussetzungen für eine erfolgreiche Fortpflanzung.

Der Dresdner Imkerverein dankt allen Beteiligten für die schöne Zusammenarbeit, allen voran Harald Wolf vom Dresdner Umweltamt für die Koordination und den Auszubildenen des Regiebetriebes Technische Dienstleistungen für die Planung und Aufstellung der Nisthilfe. Unser besonderer Dank gilt außerdem der Hoy Geokunststoffe GmbH, der Humuswirtschaft Kaditz GmbH, und den Imkerfreunden Kathleen Strey und Gerd Kleber, durch deren großzügige Materialspenden der Bau der Nisthilfe realisiert werden konnte.

Sobald die derzeitige Trockenheit etwas nachlässt, ist für die Innenfläche der Nisthilfe noch zusätzlich die Pflanzung von Scabiosen-Flockenblumen geplant, die uns die Mitarbeiter des Projektes “Urbanität und Vielfalt” des Dresdner Umweltzentrums spontan zur Verfügung gestellt haben. Auch hierfür unseren herzlichen Dank!